Die Kleine Elfe und die hochmütige Wolke

Veröffentlicht auf von Lini

Die Kleine Elfe und die hochmütige Wolke

 

Eine Kleine Elfe saß auf einer Blumenwiese. Die Sonne schien und es waren nur Schönwetterwolken am Himmel. Eine dieser Wolken gefiel der Elfe besonders gut. Sie begann zu schweben. Die Elfe schwebte immer höher, bis sie zu der Wolke kam. Als sie die Wolke endlich erreichte, sagte sie: „Guten Tag, liebe Wolke! Darf ich mich ein Bisschen auf Dich setzen und im Wind schaukeln?“ Plötzlich sah die Wolke so aus, als würde sie ein Böses Gesicht machen und die Wolke antwortete: „Nein, darfst Du nicht! Wieso willst Du denn ausgerechnet auf mir schaukeln? Du kannst doch eine Andere Wolke als Schaukel auswählen! Ich habe mich ja nicht so schön gemacht, nur damit ich als Schaukel für Kleine Elfen benutzt werde! Außerdem gibt es bei uns ein Gesetz das besagt, dass nur Wolkenelfen und Wolkenfeen auf den Wolken sitzen dürfen, um sie zu beschützen und zu bewachen. Und Du bist eben eine Blumenelfe und hast bei den Wolken nichts zu suchen“. Die Kleine Elfe erschrak und sagte: „Ach entschuldige, dass ich Dich gestört habe. Du hast mir eben so gut gefallen. Und von diesem Gesetz wusste ich nichts“. Die Wolke antwortete dann noch: „Na jetzt weißt du’s! Und jetzt flieg wieder zu den Pflanzen wo du hin gehörst“! Die Elfe ließ die Wolke dann alleine und wollte gerade wieder auf die Erdefliegen, als sie plötzlich gerufen wurde. Die Elfe fühlte sich unwohl. Sie dachte: „Oh je jetzt werde ich bestraft, weil ich unwissentlich gegen ein Gesetz verstoßen habe!“ Ängstlich ging sie auf einen Thron zu, der aus lauter Wolken bestand. Auf dem Thron saß eine Wolkenfee. „Komm her zu mir, Blumenelfe“. Rief die Königin der Wolkenelfen und Wolkenfeen der Elfe freundlich zu. „Du brauchst keine Angst zu haben.“ fügte die Königin noch hinzu. Die Elfe verneigte sich, und stellte sich dann vor der Königin hin. Nun begann die Königin zu sprechen: „Liebes Blumenelfchen hör mir zu. Diese Wolkenelfe hat Dich angelogen. Dieses Gesetz von dem sie Dir erzählt hat gibt es nicht. Sehr wohl dürfen auch Blumenelfen und Blumenfeen die Wolken besuchen und wenn sie wollen auf ihnen im Wind schaukeln.“ Die Elfe antwortete: „Liebe Königin, ich habe mir gleich gedacht, dass da etwas nicht stimmt, weil ich von diesem Gesetz vorher noch nichts gehört habe. Ich bin erleichtert, dass ich nichts falsch gemacht habe.“ Die Königin strich der kleinen Elfe sanft über ihr Gesicht und sagte: „Du kannst jetzt beruhigt auf die Erde zurückfliegen. Es tut mir sehr leid, dass diese Wolke so böse zu Dir war.“ Bevor die Elfe wieder den Rückweg antrat, bedankte sie sich noch dafür, dass die Königin sie aufgeklärt hatte. Danach verabschiedete sie sich und flog davon.

 

Nach der Landung ließ sie sich auf einem Gänseblümchen nieder. Die Elfe war enttäuscht. Sie hätte nie damit gerechnet, dass eine Wolke so abweisend und verlogen sein könnte. Sie senkte den Kopf und sagte: „Aber wenigstens fühle ich mich langsam wieder wohler, weil ich keine Angst mehr haben muss. Man kann ja auch gut auf einer Blume im Wind schaukeln.“ Ein Blümchen auf der Wiese fragte dann: „Wieso bist du dann überhaupt zu der Wolke geflogen?“ Die Elfe erwiderte seufzend: „Ihre Schönheit hat mich dazu gebracht.“

 

Nach dem Kurzem Dialog mit der Blume richtete die Elfe wieder einen Blick zum Himmel, ob sie die Wolke wieder sehen konnte. Aber anstatt der wunderschönen Wolke sah sie jetzt eine Wolke, die traurig aussah. Es wirkte so, als wie wenn das Wolkenherz bald vor lauter Traurigkeit brechen würde. Die Schönwetterwolke entwickelte sich zu einer großen Regenwolke. Die Kleine Elfe überlegte, was sie denn tun sollte. Die Elfe sieht es nicht gerne, wenn jemand traurig ist. Sie hatte schon immer den Wunsch, dass alles und jeder immer glücklich ist. Nun zurück zur Wolke. Sollte sie nochmals zur Wolke fliegen, um sie zu fragen, warum sie so traurig ist? Oder sollte sie die Wolke einfach ignorieren und wenn der Wolkenbruch kommt einfach in ihr Blätterhäuschen verschwinden? Lange konnte die Wolke ihre Last nicht mehr zurückhalten. Es war kurz vor dem Wolkenbruch. Es hatte sich viel Wasser in der Wolke angesammelt. Die Kleine Elfe hörte eine erfahrene Elfe einmal sagen: „Regentropfen sind die Tränen der Wolken“. Die Elfe wollte nicht, dass die Wolke weinen musste, darum flog sie so schnell wie möglich zur Wolke.

 

Auf den Weg dorthin begegnete ihr ein Engel. Dieser sagte: „Liebe Kleine Elfe, weißt Du, warum diese Wolke so traurig ist“? Die Elfe schüttelte den Kopf und der Engel erwiderte: „Sie ist wegen sich selbst traurig. Es tut ihr sehr leid, dass sie Dich so abgewiesen, und belogen hat. Und weißt Du, warum sie Dir so besonders schön vorgekommen ist? Weil diese Wolke immer versuchte schöner als die Anderen zu sein. Sie war immer schon so hochmütig. Sie betrachtete andere immer als weniger wertvoll als sich selbst. Nur sie war sich wichtig. Jetzt hat sie aber eingesehen, dass sie mit Hochmut in ihrem Wolkenleben nicht weiterkommen wird. Die Königin der Wolkenelfen und Wolkenfeen hat es geschafft, sie zur Vernunft zu bringen. Ich bin ein Botschafter der Königin und wollte gerade zu Dir fliegen. Die Wolke hat der Königin versprochen, dass sie sich bei Dir entschuldigen wird, und dass sie ihren Hochmut für immer ablegt. Wenn sie noch eine Chance bekommen würde, könnte sie wieder eine Schönwetterwolke werden, und würde dann gleich schön wie die Anderen Schönwetterwolken sein“. Die Elfe hatte dem Engel aufmerksam zugehört und sagte: Fliegen wir gemeinsam weiter zur Wolke und ich will mich selbst überzeugen, dass es ihr leid tut“.

 

Gesagt, getan. Den Rest der Strecke flogen der Engel und die Kleine Elfe gemeinsam. Kurz vor dem Ziel sagte der Engel: „Weißt Du was? Ich werde Dich bei der Wolke ankündigen“. Die Elfe nickte zustimmend. Der Engel kam zuerst bei der Wolke an und sagte: „Hallo, meine liebe! Jetzt kommt gleich die Elfe wieder, die du vorhin abgewiesen und belogen hast. Sie will sich davon überzeugen, dass es Dir leid tut, und dass Du deinen Hochmut ablegen willst. Kurz nach der Ankündigung war die Elfe auch schon da. Die Wolke sagte: „Es tut mir leid, dass ich vorhin so boshaft zu Dir war. Ich würde so gerne wieder eine Schönwetterwolke werden. Das kann ich aber nur, wenn Du mir verzeihst, und mir eine zweite Chance gibst. Ich verspreche, dass ich auch nicht mehr hochmütig sein werde. Solltest Du mir nicht verzeihen, werde ich noch trauriger und muss weinen. Das würde dann einen Wolkenbruch bedeuten“. Der Engel schaute die Elfe an und sagte: „Liebe Elfe, es liegt jetzt an Dir.  Du allein kannst sie wieder in eine Schönwetterwolke verwandeln, indem Du ihr verzeihst. Wirst Du ihre Entschuldigung annehmen, ihr verzeihen und ihr eine zweite Chance geben“? Die Kleine Elfe schaute die Wolke an und sagte: „Ja, liebe Wolke, ich nehme Deine Entschuldigung an und verzeihe Dir. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Du bist nun wieder eine Schönwetterwolke“.

 

Die Wolke war nun wieder glücklich und somit eine Schönwetterwolke. Sie hielt ihr Versprechen und führte einen Anti-Hochmuts-Zauber durch. Die Wolke war nun wie ausgewechselt und der Hochmut war verschwunden. Nun war diese Eine Wolke genauso schön wie die vielen anderen Wolken auch. Alle freuten sich sehr, dass sich die Wolke so positiv verändert hatte.

 

Geschrieben am: 1.07.2009

Veröffentlicht in Kurzgeschichten

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